Verneigung vor einem Dinosaurier

Schon zu Lebzeiten galt Herbert W. Franke als Legende der Computerkunst, aber seit seinem Tod avanciert er zu einem “Household Name”, und die Besten der Blockchain zollen ihm Tribut.

Christa Sommerer & Laurent Mignonneau, Portrait on the Fly (Herbert W. Franke), NFT, 2022. © the artists and Tribute to Herbert W. Franke. Informationen zu Werk und Verfügbarkeit hier.

Irgendwann war er auf einmal auf Twitter: Herbert W. Franke, der Dinosaurier der Computerkunst. Das ist nicht despektierlich gemeint, sondern nur zitiert. Er pflegte sich selber so zu nennen. Als er am 16. Juli 2022 95-jährig starb, hatte dieser Dinosaurier seinem Schicksal aber ein Schnippchen geschlagen und sein Aussterben verhindert. Weil er den Anschluss gefunden hatte an eine neue Szene, die immer noch dabei ist zu sortieren, woraus sie hervorgeht, woraus sie schöpft, wer und was ihre Vorbilder, Quellen, Referenzpunkte sind, aber weiß, dass es digitale Kunst schon vor der Blockchain gab und Franke zu denen gehörte, mit denen alles begann. Diese Szene ist vor allem auf Twitter hoch aktiv. Ja, da gibt es auch Krypto-Spekulanten und Digitalkonferenz-Quatscher, aber getragen wird der Twitter-Diskurs vor allem von den Kunstschaffenden. Und mit seinem Twitter-Profil, der erste Tweet datiert vom 8. März diesen Jahres, betrat der Dinosaurier Franke dieses Diskursfeld, erhielt umgehend Tausende Follower und wurde zum „Proto-OG“ gekürt.

Aktuell gilt es, Brücken zu bauen und Nervenbahnen zu bilden zwischen dem, was schon seit Jahrzehnten unter Begriffen wie Digitalkunst, Computerkunst, Netzkunst oder Medienkunst existiert und was seit kaum erst zwei Jahren unter NFT, blockchainbasierte Kunst oder Kryptokunst läuft. Dass Franke noch einen signifikanten Beitrag zu einem Brückenschlag leistete, danken ihm jetzt die größten Namen der „alten“ und „neuen“ Szenen in einem Projekt von größter Tragweite: „Tribute to Franke“. Rund 80 Künstlerinnen und Künstler, von ehemaligen Weggefährten bis zu jüngsten Positionen der Kryptokunst, sind der Einladung von Frankes Witwe Dr. Susanne Päch und Kuratorin Anika Meier gefolgt und haben Arbeiten mit Bezug zu seinem Werk zu einem Projekt beigetragen, das zum einen eine Verneigung vor seinem Wirken darstellt, zum anderen dessen Erhalt dient: Die Arbeiten können erworben werden, die auf unterschiedlichen Blockchains geminteten NFT werden gebündelt in wöchentlichen Drops verfügbar gemacht (der nächste bzw. letzte am 21. Oktober), und ein Teil der Erlöse fließt dem Erhalt des beim ZKM liegenden Franke-Archivs sowie der art meets science-Stiftung zu. Übrigens: Wer angesichts der historischen Gewichtigkeit und Güte der Künstlerliste denkt, sich hier eh nichts leisten zu können, wird überrascht sein, und zwar freudig…

Künstlerliste, Werkinformationen und verfügbare Arbeiten auf tribute-hwf.com / Informationen über das Werk von Herbert W. Franke auf art-meets-science.io

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